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Pflege & Betreuung: Hoher Bedarf an Fachkräften

Der Pflegesektor in Deutschland steht vor enormen Herausforderungen, wobei der akute Fachkräftemangel in der Pflege- und Betreuungsbranche mittlerweile als eine der drängendsten gesellschaftlichen Probleme gilt und durch den demografischen Wandel weiter verschärft wird.

Die aktuelle Situation des Fachkräftemangels in der Pflegebranche

Die Pflegebranche in Deutschland verzeichnet aktuell ein Defizit von schätzungsweise 100.000 Fachkräften, wobei Experten prognostizieren, dass diese Zahl bis 2030 auf etwa 500.000 fehlende Pflegekräfte ansteigen könnte, wenn keine wirksamen Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

Besonders alarmierend ist die Situation in ländlichen Regionen, wo viele Pflegeeinrichtungen bereits heute Aufnahmestopps verhängen müssen oder ihre Angebote drastisch reduzieren, weil qualifiziertes Personal fehlt und die vorhandenen Mitarbeiter unter extremer Belastung stehen.

Die Corona-Pandemie hat wie ein Brennglas auf die strukturellen Probleme im Pflegesektor gewirkt und die ohnehin angespannte Personalsituation weiter verschärft, da viele Pflegekräfte aufgrund der extremen physischen und psychischen Belastungen den Beruf verlassen haben.

Ursachen für den Pflegekräftemangel

Die demografische Entwicklung stellt einen Hauptfaktor dar, denn während die Zahl der pflegebedürftigen Menschen durch die steigende Lebenserwartung kontinuierlich zunimmt, gehen gleichzeitig viele erfahrene Pflegefachkräfte in den Ruhestand, ohne dass genügend junge Nachwuchskräfte nachrücken.

Unattraktive Arbeitsbedingungen wie Schichtdienst, körperliche Belastung, hoher Dokumentationsaufwand und vergleichsweise niedrige Löhne haben dazu geführt, dass der Pflegeberuf für viele junge Menschen keine erste Berufswahl darstellt und die Abbrecherquote in der Ausbildung überdurchschnittlich hoch ist.

Die gesellschaftliche Wertschätzung für Pflegeberufe steht in einem deutlichen Missverhältnis zu ihrer systemrelevanten Bedeutung, was sich in mangelnder Anerkennung, begrenzten Aufstiegsmöglichkeiten und einer oft unzureichenden Vergütung widerspiegelt.

Bürokratische Hürden und langwierige Anerkennungsverfahren für ausländische Fachkräfte erschweren zusätzlich die internationale Rekrutierung, obwohl hier ein erhebliches Potenzial zur Linderung des Fachkräftemangels liegt.

Reformierte Pflegeausbildung als Lösungsansatz

Die 2020 eingeführte generalistische Pflegeausbildung vereint die bisher getrennten Ausbildungswege der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege zu einem einheitlichen Berufsbild, was die Flexibilität der Absolventen erhöht und internationale Anschlussfähigkeit gewährleistet.

Mit der Reform wurden auch Ausbildungsvergütungen angehoben und das Schulgeld abgeschafft, wodurch finanzielle Hürden beseitigt und die Attraktivität der Pflegeausbildung gesteigert werden soll, um mehr junge Menschen für diesen zukunftssicheren Berufszweig zu gewinnen.

Die akademische Pflegeausbildung gewinnt zunehmend an Bedeutung, wobei Pflegestudiengänge an Hochschulen wissenschaftliche Kompetenzen vermitteln und Karrierewege bis in Führungspositionen oder spezialisierte Fachbereiche eröffnen, was die Branche für ambitionierte Berufseinsteiger attraktiver macht.

Durch Weiterbildungs- und Spezialisierungsmöglichkeiten wie Fachweiterbildungen in Intensivpflege, Palliativversorgung oder Pflegemanagement können Pflegekräfte ihre beruflichen Perspektiven erweitern und gleichzeitig dem wachsenden Bedarf an Spezialwissen in der modernen Gesundheitsversorgung gerecht werden.

Berufschancen und Perspektiven für Einsteiger und Quereinsteiger

Die Jobsicherheit im Pflegesektor ist nahezu konkurrenzlos, da Pflegefachkräfte praktisch überall in Deutschland sofort eine Anstellung finden können und selbst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht von Arbeitslosigkeit bedroht sind.

Für Quereinsteiger bieten sich vielfältige Einstiegsmöglichkeiten durch verkürzte Ausbildungswege, berufsbegleitende Qualifizierungsprogramme und spezielle Förderprojekte, die vorhandene Berufserfahrungen und Kompetenzen anerkennen und gezielt auf die Anforderungen der Pflegebranche vorbereiten.

Die Digitalisierung in der Pflege eröffnet neue Berufsfelder an der Schnittstelle zwischen Pflege und Technologie, wobei Kenntnisse in digitalen Dokumentationssystemen, Telemedizin oder assistiven Technologien zunehmend gefragt sind und Pflegekräften mit entsprechenden Qualifikationen attraktive Spezialisierungsmöglichkeiten bieten.

Die internationale Mobilität von Pflegefachkräften ermöglicht berufliche Erfahrungen im Ausland, wobei der deutsche Pflegeabschluss in vielen Ländern anerkannt wird und gleichzeitig ausländische Fachkräfte durch gezielte Anwerbeprogramme, Sprachkurse und Integrationsmaßnahmen für den deutschen Arbeitsmarkt gewonnen werden sollen.

Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen

Tarifliche Lohnsteigerungen und Bonuszahlungen sollen die finanzielle Attraktivität des Pflegeberufs verbessern, wobei mehrere Bundesländer und Träger bereits deutliche Gehaltserhöhungen umgesetzt haben und die Pflegemindestlohnregelung für eine Grundabsicherung sorgt.

Innovative Arbeitszeitmodelle wie die 4-Tage-Woche, selbstorganisierte Dienstplanung oder Lebensarbeitszeitkonten bieten mehr Flexibilität und eine bessere Work-Life-Balance, was insbesondere für Pflegekräfte mit familiären Verpflichtungen oder in der Wiedereinstiegsphase entscheidende Vorteile bringt.

Betriebliches Gesundheitsmanagement mit Angeboten wie Rückenschulungen, Stressbewältigungskursen und psychologischer Unterstützung gewinnt an Bedeutung, um die physische und psychische Gesundheit der Mitarbeiter zu fördern und die Berufsverweildauer zu verlängern.

Technische Hilfsmittel wie Hebehilfen, elektronische Dokumentationssysteme und Servicerobotik entlasten das Pflegepersonal bei körperlich anstrengenden oder zeitintensiven Routineaufgaben und ermöglichen es den Fachkräften, sich stärker auf die direkte Betreuung und Zuwendung zu konzentrieren.

Politische Initiativen zur Bekämpfung des Fachkräftemangels

Die “Konzertierte Aktion Pflege” der Bundesregierung bündelt verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen, Ausbildung und Personalausstattung in der Pflege, wobei konkrete Zielvorgaben und regelmäßige Evaluationen die Wirksamkeit der Initiativen sicherstellen sollen.

Das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz hat die Finanzierung zusätzlicher Pflegestellen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen ermöglicht und verpflichtende Personaluntergrenzen eingeführt, um die Arbeitsbelastung zu reduzieren und die Versorgungsqualität zu verbessern.

Durch das Fachkräfteeinwanderungsgesetz wurden die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Anwerbung internationaler Pflegekräfte verbessert, wobei beschleunigte Anerkennungsverfahren, gezielte Rekrutierungsprogramme und Integrationsmaßnahmen den Zuzug qualifizierter Fachkräfte erleichtern sollen.

Regionale Pflegeallianzen, in denen Pflegeeinrichtungen, Bildungsträger, Kommunen und Arbeitsagenturen zusammenarbeiten, entwickeln passgenaue Lösungen für lokale Herausforderungen und bündeln Ressourcen für gemeinsame Ausbildungs-, Qualifizierungs- und Imagekampagnen.

Internationale Rekrutierung als Teil der Lösung

Bilaterale Abkommen mit Ländern wie den Philippinen, Mexiko oder Vietnam regeln die ethisch vertretbare Anwerbung von Pflegefachkräften, wobei auf faire Bedingungen, Qualitätssicherung in der Ausbildung und einen gegenseitigen Nutzen für Herkunfts- und Zielland geachtet wird.

Spezielle Integrationsprogramme mit intensiven Sprachkursen, fachlicher Einarbeitung und kultureller Orientierung unterstützen ausländische Pflegekräfte beim Berufseinstieg in Deutschland und erhöhen die Bleibequote, was für eine nachhaltige Personalstrategie entscheidend ist.

Die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse stellt weiterhin eine bürokratische Hürde dar, wobei Anpassungslehrgänge und Kenntnisprüfungen notwendig sind, um die Gleichwertigkeit mit deutschen Qualifikationen sicherzustellen und gleichzeitig die Versorgungsqualität zu gewährleisten.

Der Wissenstransfer zwischen internationalen Pflegekräften und einheimischen Teams kann zu einer Bereicherung der Pflegekultur führen, wenn unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen und Methoden in einen konstruktiven Austausch gebracht werden und kulturelle Vielfalt als Chance begriffen wird.

Pflegefachkraft betreut ältere Person in einer modernen PflegeeinrichtungQuelle: Freepik

Fazit

Der Fachkräftemangel in der Pflege- und Betreuungsbranche stellt eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit dar, die nur durch ein Bündel aufeinander abgestimmter Maßnahmen bewältigt werden kann.

Trotz aller Herausforderungen bietet die Pflegebranche hervorragende Berufsaussichten mit nahezu garantierter Arbeitsplatzsicherheit, vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten und der Chance, eine sinnstiftende und gesellschaftlich hochrelevante Tätigkeit auszuüben.

Die Zukunft der Pflege wird maßgeblich davon abhängen, ob es gelingt, die Arbeitsbedingungen nachhaltig zu verbessern, das Berufsbild aufzuwerten und innovative Lösungen für die Personalgewinnung und -bindung zu entwickeln, wobei alle Akteure – Politik, Träger, Ausbildungsstätten und die Gesellschaft insgesamt – gefordert sind.

Häufig gestellte Fragen

  1. Welche Voraussetzungen muss ich für eine Pflegeausbildung erfüllen?
    Für die generalistische Pflegeausbildung benötigen Sie mindestens einen Hauptschulabschluss mit zweijähriger Berufsausbildung oder einen mittleren Bildungsabschluss sowie physische und psychische Belastbarkeit und Empathiefähigkeit.

  2. Wie hoch ist das durchschnittliche Gehalt einer Pflegefachkraft in Deutschland?
    Examinierte Pflegefachkräfte verdienen je nach Bundesland, Träger und Berufserfahrung zwischen 2.800 und 3.500 Euro brutto monatlich, wobei Zuschläge für Nacht- und Wochenenddienste sowie Spezialisierungen hinzukommen können.

  3. Welche Aufstiegsmöglichkeiten gibt es nach der Pflegeausbildung?
    Nach der Grundausbildung können Sie sich durch Fachweiterbildungen spezialisieren, ein Pflegestudium absolvieren oder ins Pflegemanagement aufsteigen, wobei auch Selbstständigkeit als Pflegesachverständiger oder in der Pflegeberatung möglich ist.

  4. Wie lange dauert die Anerkennung ausländischer Pflegeabschlüsse in Deutschland?
    Der Anerkennungsprozess dauert bei vollständigen Unterlagen theoretisch drei bis vier Monate, in der Praxis oft sechs bis zwölf Monate, abhängig vom Bundesland und der Herkunft des Abschlusses.

  5. Welche digitalen Kompetenzen werden in der modernen Pflege benötigt?
    Zunehmend wichtig sind Kenntnisse in elektronischer Pflegedokumentation, Telemedizin, Bedienung digitaler Assistenzsysteme und grundlegendes Verständnis für Datenschutz sowie die Fähigkeit zur digitalen Kommunikation mit Patienten und Angehörigen.